Sam Kur: »Das Böse ist gelebte Phantasie«

Sam Kur,
geboren 1973, augustinisch-tiberischer Abstammung. Er gilt unter ausgewählten Zeitzeugen als größtes Autorentalent dystopischer Drehbücher mit Hang zur emotionalen Dramatik in Dreiecksbeziehungen.

Gute 20 Jahre ist es her, als sein Erstlingswerk »San Diego Dreams« verschiedenen Produzenten vorgestellt wurde. Es folgten »E.A.S.T.« und »The Club« – und stets waren es die Grundthemen Liebe, Lust und Leidenschaft in einer sich langsam nähernden, bedrohlichen, dunklen Gewitterwolke.

SAM KUR ist leidensfähig. Zu tief sind seine eigenen Wunden. Zu oft hat auch er Menschen verletzt. Ein Abschiedsbrief aus Blut ändert seine Einstellung.  Wir sprechen mit SAM KUR über Beziehungen, Affären und falsche Erwartungen an die Liebe.

HOTZINE: Sam Kur, aktuell schreiben Sie ein neues Drehbuch. Worum geht es in ,Gist of the Matter‘?
Sam Kur: Eins meiner Lieblingsthemen zurzeit ist Faust als Paradigma: Grenzzonen des Wissens zwischen Verbot und Teufelspakt. Der Faust-Komplex beschäftigt mich und verliert nichts an Aktualität. Er ist die Grundlage jeder Beziehung. Ein Motiv, was ich auch in meinem nächsten Werk verarbeite. Das ist übrigens nur der Arbeitstitel.

Also haben Sie die Grundlage einer glücklichen Beziehung gelüftet?
Streichen Sie das Wort glücklich. Die glückliche Beziehung ist Illusion. Sie ist eine temporäre Erscheinung. Das liegt zunächst einmal daran, dass das Glücksgefühl selbst nur eine temporäre Erscheinung sein kann. Ein Moment, eine kurze Phase vielleicht. Danach fallen wir auf unsere individuelle Emotions-Nulllinie zurück. Bis zum nächsten Glücksmoment. Und dagegen kämpfen wir an. Deshalb sind wir Menschen auch so empfänglich für den Reiz des Bösen! Und das wiederum ist elementar für jede Beziehung.

Entschuldigung, aber diese Schlussfolgerung scheint doch sehr gewagt…
Je böser, gefährlicher, mächtiger – desto größer kann das persönliche Glücksgefühl sein. Wer es einmal selbst erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Wir werden magisch vom Bösen angezogen. Es ist das klassische Spiel mit dem Feuer. Das Böse ist gelebte Phantasie. Und nicht per se nicht schlecht. Ich behaupte sogar: nur so kann eine Bindung stabil bleiben.

Es muss also einer in der Beziehung böse sein?
Das passiert ja nicht auf Knopfdruck. So einfach ist das nicht. Eher ist es so, dass einer die dunkle Seite übernehmen wird. Manchmal auch unfreiwillig. Und ich rede hier nicht von irgendwelchem S/M-Spielchen. Aber einer wird sich mental unterwerfen. Wenn der dunkle Teil in einer Beziehung fehlt – dann sucht man sich das zwangsläufig woanders.

Das klingt nicht gerade aufbauend.
Ach, kommen Sie. Stellen Sie sich mal nicht so an. Ich wollte nur aufzeigen, dass eine Beziehung nicht dauerhaft glücklich, rosa, zuckerwatteweich sein muss. Das ist TV-Kitsch. Und wenn Sie das Gefühl haben, dass es bei Ihnen so ist, wird das böse Erwachen sie umso härter treffen.

Das hört sich autobiografisch an. Und ein Stück weit verbittert.
Vor einigen Jahren dachte ich, das perfekte Liebesglück gefunden zu haben. Vorher war ich stets nach kurzer Zeit gelangweilt, hatte Affären und Seitensprünge. Ich war der Böse. Dann kam SIE. Und alles war anders.

Sie wurden betrogen?
Das hätte ich vielleicht verkraftet. Es war schlimmer. Ich dachte, es wäre die wahre Liebe. Ich habe alles für sie getan. Wir waren glücklich, auch im Bett. Alles gut. Aber nur aus meiner Sicht. Sie dachte plötzlich, dass ich nur so nett bin, weil ich eine Affäre habe. Ich habe ihren Schrei falsch verstanden. Sie wollte nur die böse Phantasie. Und ich versuchte es ihr auszureden. Da nahm das Drama seinen Lauf.

Es ist nicht schwer zu erraten, das die Story kein Happy-End hat.
Der Abschiedsbrief war aus Herzblut. Und das meine ich wörtlich. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sind sie aktuell vergeben?
Nein. Aber wieder offen. Der Kreis hat ja am Ende des Tages keine Ecken.

Auf was achten Sie bei Frauen?
Gepflegte Hände und ihre Fingerbewegungen. Sie verraten mir in zwei Minuten mehr, als stundenlange Gespräche. Ich weiß sofort, mit was für einem Charakter ich es zu tun habe. Und, das wäre ja sicher die nächstes Frage, ich habe auch eine gewisse Vorstellung davon, wie sie im Bett ist.

Einen Tipp für unsere Leserinnen und Leser?
Der ist für Einsteiger. Achtet auf den rechten Zeigefinger. Ist der besonders aktiv, habt ihr es mit einer dominanten Person zu tun. Ist er dann noch etwas länger als der Ringfinger hat sie eine Neigung zum Fremdgehen. Das ist aber eher eine Beobachtung, als eine wirklich wissenschaftlich fundierte Untersuchung.

Gibt es eine Waffe gegen Untreue?
In den komplexen Beziehungsstrukturen der Gegenwart, gepaart mit einer überhöhten Erwartungshaltung, oft basierend auf der verzerrten Selbstwahrnehmung und der ständigen Angst, etwas zu verpassen, lassen sich Seitensprünge nie komplett ausschließen. Die eigenen zumindest nicht. Für die des Partners gilt: nie berechenbar sein. Solange ihr reiz- und geheimnisvoll voll genug bleibt, werden die Augen und Finger euch wollen und nicht das potentielle Reizobjekt im Radar.

Vielen Dank für das Gespräch.

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About the author

Ist nach eigenen Aussagen eine echte Spätzünderin. "Ich kam langsam aber gewaltig. Das ist noch immer so :-) Ansonsten bewege ich mich sicher im Internet und zwischen den Geschlechtern." Mit ihrer offenen und toleranten Art passt sie perfekt ins hotzine-Team.
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