Geschichten

GROSS.STADT.GLITZER | Berlin Affair

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Part 1 | Alexey

Monatelang stand die Wohnung leer. Eine absolute Frechheit in Zeiten der Wohnungsknappheit und extremen Mietpreisen. Und plötzlich: das erste Mal Licht… Natürlich war meine Neugierde geweckt. Penthouse, fast 200 qm, umlaufender Balkon und mit Blick über die Dächer der Großstadt.
Zum ersten Mal sag ich sie in der Tiefgarage. Aufregender Gang. Ihr Gesicht konnte ich aufgrund der Corona-Maske nur erahnen, aber ihre traumhafte Figur und die wunderschönen Haare hinterließen Eindruck bei mir. Und sie nahm nicht einmal Notiz von mir. Schade.
Aber mein Jagdtrieb war geweckt. Sollte so ein zauberhaftes Wesen tatsächlich ganz allein in meine Nachbarschaft gezogen sein?
Beim zweiten Mal …
… hat es geknallt. Ein riesiger Blumenkübel rauschte knapp an meinem Kopf vorbei.
»Sorry« tönte es lapidar von oben.
Diese Stimme. Ich war hin und weg.
Dann trafen sich unsere Blicke.
Oh, ein nicer Typ – muss sie gedacht haben, jedenfalls hoffte ich das inständig.
»Ich wohn‘ hier auch« hörte ich mich sagen und hätte mich am liebsten selbst eine ordentliche Schelle verpasst, dass mir nichts Besseres eingefallen ist.
»Kaffee? Morgen? Ich muss noch Kartons ausräumen«
So lässig wie möglich reckte ich meinen Daumen
»Passt. Auf gute Nachbarschaft«
Meine Erwartungen an unseren Kaffee steigerten sich quasi jede Minute und ich konnte es kaum noch bis morgen abwarten.
Ich wollte sie mir klarmachen …

Part 2 | Susan

»Ich hasse ihn, ich hasse ihn so sehr« In Gedanken korrigiere ich mich selbst, während ich meinen Lieblingspullover mit dem lustigen Weihnachtsmotiv in den Karton stopfe. »Nein. Ich hasse es, ihn immer noch zu lieben« Wie oft hatte er mich eigentlich für das Teil ausgelacht? Mich damit neckisch aufgezogen. Ich spüre wie mir bei der Erinnerung an sein schelmisches Grinsen salzige Tränen die Wangen herunterinnen. Die Entscheidung tut immer noch weh. Aber es ist besser so. Für uns beide.
Beziehungspause. Das ist doch kacke. Wie das schon klingt. Warum machen wir dann eigentlich nicht gleich ganz Schluss? Nägel mit Köpfen sozusagen. Ich weiß es doch auch nicht. Bin hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Abschluss. Auf jeden Fall möchte ich endlich Ruhe. Gut, mein Typ hat echt viele Fehler, aber wenigstens hat er eins: Kohle. Und deshalb ist die neue Zweitwohnung auch gar kein Problem.
Jetzt war der große Umzugstag also endlich da.
Scheiße ist die Tiefgarage eng.
Und geschminkt bin ich auch nicht. Bloß keinem Menschen – und erst recht keinem Mann – begegnen. Hastig eile ich zum Treppenaufgang und dann mit dem Fahrstuhl ganz nach oben. Hereinspaziert. Ich schaue mich um und denke »Hier lässt es sich leben. Gern auch erstmal eine ganze Weilt allein«
Erstmal einen Kaffee an der frischen Luft. Der Balkon ist das mit Abstand schönste Fleckchen in der Wohnung. Ich genieße die Sonnenstrahlen und schaue mich um.
»Noch ein bisschen karg hier. Da muss ich noch einiges tun. Ein paar Blumen hier, ein paar Lichter und Kerzen dort. Das wird schön. «
Leider bin ich manchmal etwas ungeschickt und als ich meine Tasse abstellen will, stoße ich gegen irgendwas Festes. Tja und da segelt der Topf auch schon runter…
Ein schneller Blick, das war knapp, da steht ja tatsächlich ein Typ. Schnell entschuldige ich mich und will wieder reinhuschen, aber irgendwas lässt mich ein zweites Mal hingucken. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob es sein Blick, seine Klamotten oder seine merkwürdig arrogante Körperhaltung waren, aber irgendetwas zog mich an ihm an.
»Susan sag jetzt bloß nichts mehr« versuchte ich mich selbst zu bremsen, da sprudelte es auch schon aus mir raus »Wie wäre es morgen mit einem Kaffee als kleine Entschuldigung für mein Missgeschick«
Scheiße, ich habe echt keine Lust auf einen Mann, ich habe genug Probleme.
Aber ich hatte schon seine Zusage.
Und gute Nachbarschaft ist ja auch wichtig.
Und überhaupt, vielleicht wird er ja ein guter Freund von mir.
Komisch, wenn so gar nichts ist, warum versuche ich mich dann jetzt schon zu beruhigen?
Zum Glück habe ich bis morgen ja noch etwas Zeit …

Part 3 | Kaffee, heiß

Heute ist es endlich so weit. Unser Date. Na gut, es ist strenggenommen nur ein Kaffee, aber es ist ein Anfang.
Sie hatte sich extra sexy angezogen, das merke ich als Kenner natürlich sofort. Die Glitzerstrumpfhose unter ihre Jeans fiel mir nicht nur auf, sie gefiel mir auch besonders gut und auch ansonsten sah sie rundum top aus. Bestimmt hatte sie sich auch seit gestern auf unseren Kaffee gefreut und sich vorbereitet.
Da saßen wir nun also auf ihrem Balkon und lernten uns erstmal ein bisschen kennen. Das übliche Geplänkel, aber die Zeit verging wie im Flug. Während sie erzählte, waren wir in meiner Phantasie schon deutlich weiter.
Wir saßen eng zusammen, ich streichelte über ihre Beine. Langsam kamen sich unsere Gesichter näher. Ich küsste sie und sie erwiderte meinen Kuss leidenschaftlich. Jetzt spürte ich ihre Hand vorsichtig bis zärtlich kraulend auf meiner Hose und merkte, dass nicht nur mein Herz stärker pumpt…
»Noch einen Schuss?« Ich wurde aus meinen Träumen geweckt und muss selten blöd geguckt haben. Denn sie ergänzte lachend »Milch meine ich natürlich. Man könnte ja fast denken, du hast gerade an was ganz anderes gedacht.«
Die Zeit mit ihr verging wie im Fluge. Die Sonne ging auch langsam unter. Aber natürlich hatte sie jede Menge Kerzen und Lichter parat. Also gut, es kam jetzt wohl der romantische Teil und ich überlegte die nächsten Schritte, um meine Phantasien jetzt gleich in die Tat umzusetzen. Es läuft ja wie geschmiert mit ihr, dachte ich noch und fragte mich kurz, warum so eine Frau in so einer Stadt mit statistisch fast zwei Millionen Männern noch Single ist. Vielleicht ist sie ja eine Psychopathin. oder lesbisch. Oder beides zusammen.
Egal, heute war mein Abend.
Ich näherte mich gerade an und wollte meinen Arm um sie legen, als …
… sich ein Schlüssel im Schloss dreht und die Tür krachend zugeschlagen wurde.

Part 4 | Kaffee, warm

Ich war immer noch bei den letzten Kartons, als es an der Tür klingelte.
Scheiße, der Nachbar. Ich dachte, der kommt später.
Und ich sitze hier nur in meiner bequemen Glitzerstrumpfhose. Jetzt nur nicht zu sexy aussehen. Schnell noch eine Jeans drüber und ein paar Socken, damit er gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt.
Komischerweise fand ich den Gedanken aber gar nicht so absurd. Es diente eher meiner eigenen Beruhigung.
Wir plauderten eine ganze Weile. Er ist wirklich ein guter Zuhörer, ich habe ihm meine ganze Lebensgeschichte erzählt und er sah dabei sehr glücklich aus. Endlich mal ein Mann, der nicht nur an das eine denkt, sondern an mir asl Person interessiert ist.
Leider hatte ich durchgehend ein schlechtes Gewissen, denn ich wusste, dass mein Noch-Freund beziehungsweise Beziehungspausen-Partner heute irgendwann nochmal vorbeikommen wollte.
Aber ich konnte und wollte Alexey noch nicht nach Hause komplementieren. Seine Gesellschaft gefiel mir, er hatte diese gewisse Anziehungskraft. Nicht nur sexuell. Ich wusste, dass diese Art Männer für mich gefährlich sein können, aber genau das reizte mich auch. Ein typisches Susan-Dilemma.
Dann hörte ich, wie die Tür ins Schloss fiel. Der Moment der Wahrheit. Und das, nachdem ich nicht mal 24 Stunden vorher ausgezogen war.
Aber ich reagierte natürlich geistesgegenwärtig
»Oh das ist mein Mann!« sagte ich extra laut zu Alexey, so dass auch mein Off-Freund sofort hört, dass jemand hier ist.
»Und Schatz, das ist übrigens Alexey – aus dem Haus gegenüber!«
Alexey und mein Typ begrüßten sich, wie sich Männer eben begrüßen, die sich sofort eindeutig als Konkurrenten sehen. Vom Baichgefühl war Alexey eine Spur cooler.
Und nach zwei drei eisigen Minuten entscheid sich Alexey, fürs Erste das Feld zu räumen.
»War schön mit dir. Das sollten wir nochmal wiederholen« wollte ich ihm gerade ins Ohr flüstern, als er sagte:
»Ich muss dann auch zurück wieder zu meiner FRAU«
Wahnsinn. In diesem Moment drehte sich ein Schalter in mir um. Vorher fand ich ihn nur interessant, jetzt wollte ich ihn unbedingt.
Was bin ich nur für eine Schlampe. Aber wisst ihr was, ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken.

Part 5 | Die Affäre

Die nächsten Tage regnete es. Susan begann sich langsam heimisch in ihrer Wohnung zu fühlen. Und Alexey ging seinen üblichen Geschäften nach.
Aber beiden war klar, dass es irgendwann passieren MUSSTE.
Susan saß mit einem Wein auf ihrem Balkon und dachte an ihn, als er plötzlich vor der Tür stand. Perfektes Timing.
»Ist die Luft rein? Ich muss mir dir reden«
Doch weit kamen die beiden nicht. Noch in der Tür fielen sie wie ausgehunderte Raubkatzen übereinander her.
Sie liebte seinen Körper. Sie liebte seine Hände, die fest zupacken konnten. Er liebte ihren Geruch, den Geruch ihrer Haut, den Geruch ihrer Haare, den Geruch ihrer Muschi. Einfach alles an ihr war wunderschön.
An der Wand im Flur sind beiden zum ersten Mal gekommen. Dann eine weitere Flasche Wein und eine kleine Nummer auf dem Balkon. An ihren Zeh in seinem Hintern erinnert er sich wahrscheinlich heute noch. Und sie spürt, wenn sie daran zurückdenkt, immer noch die Würgemale um ihren Hals.
Die erste gemeinsame Nacht – geschlafen wurde nicht, jedenfalls nicht im wörtlichen Sinn.
Eine Offenbarung.
Das ging ein paar Wochen so. Sie liebten sich regelmäßig. Und sie liebten sich leidenschaftlich. Für beide war es sexuell erfüllend.
Immer, wenn sie sich nicht sahen, dachte Susan jede Sekunde an ihn.
Um sich abzulenken stürzte sie sich entweder in Arbeit oder lag serienguckend auf der Couch.
Und sie hoffte, dass er das auch tun würde. Aber sie wusste tief in ihrem Inneren, dass dem nicht so war
In ihrer Phantasie – und eins könnte ihr glauben, die ist sehr lebhaft – sah sie ihn mit anderen Frauen, mit denen er ebenfalls eine Affäre hatte.
Das brachte sie fast um den Verstand.
Bis er ihr plötzlich aus heiterem Himmel sagte, dass er sie nicht mehr treffen möchte. Er kann und will nicht. Wahrscheinlich wird er zeitnah umziehen.
„Bitte frag nicht nach Gründen“ sagte er, drehte sich um und ging.
Das war bis jetzt das letzte Mal, dass Susan ihn gesehen hat!

Part 6 | Epilog

Glück ist wie ein Schmetterling. Es kommt zu dir und fliegt davon. So wie ein bunter Luftballon, den man nicht halten kann. Irgendwo im Radio dudelt »Love Is Like A Butterfly« von Dolly Parton.

Alexey sitzt in Gedanken versunken an seinem Schreibtisch.
Der Tag bevor ich dich getroffen habe …
Es war wie immer. Ich habe meinen Wecker um 6:35 Uhr noch genau 3 x gesnoozed wie jeden Tag, stand um 8:15 Uhr im üblichen Stau auf der A100, bin um 12:30 Uhr mit meinen Kollegen etwas essen gegangen und dann um exakt 18.00 Uhr zum Sport.
Es lief alles in seinem gewohnten Rahmen.
Ich habe mich arrangiert
Ich war eigentlich zufrieden mit meinem Leben. Ein Mann Anfang 30. Kein Junge mehr, aber auch noch nicht so alt, dass mich die alltägliche Faltencreme-Werbung im Fernsehen nervös machen würde… Ehrlich gesagt, im besten Männeralter. Ich habe nichts vermisst. Aber warum denke ich dann immer nur an dich …

Zur gleichen Zeit sitzt Susan nachdenklich auf ihrem Balkon
Der Kopf weiß, dass er ihr nicht gut tut
Der Kopf weiß, dass er vergeben ist
Der Kopf sagt, dass diese Liebe keine Zukunft hat
Aber das Herz will ihn um jeden Preis.
Auch wenn dieser Preis am Ende verdammt hoch sein wird …

– TO BE CONTINUED / Fortsetzung folgt –

Geschichtenerzählerin. LUSTig, Mag: CoconutKiss, Sommer, Strand, Urlaub, Reisen, Abenteuer, Schnee, Berge, Snowboard, Freundinnen, Bekanntschaften. Mag nicht: enge Räume und Höhlen. Augen verbinden, Diät. Mag besonders: Stories aufzuschreiben. Ob selbst erlebt, von Freundinnen gehört oder ganz intime Fantasien und reine LUSTgedanken - könnt ihr selbst entscheiden. Natürlich könnt ihr mich auch fragen, ich werde es euch aber garantiert nicht verraten ;-)